LLOYD Time 2-2014 - page 14

ImVordergrund
stand, was anderes,
Neues zumachen.
Wer den Musiker und Menschen Jan Phillip Eiß-
feldt über die vergangenen 20 Jahre hinweg ver-
folgt hat, der weiß, dass sich der Musiker nicht
gerne in eine Schublade stecken lässt. Seinen
Durchbruch feierte er 1998mit derHip-Hop-Band
Absolute Beginner. 2001 erschien dann sein erstes
Soloalbum „Searching for the Jan Soul Rebels“. Der
Auˆleber „Vorsicht: Kein Hip Hop!“ warnt vor
Enttäuschungen. Wer sich davon abhalten lässt,
verpasst eine Reggaeplatte, die von den Kritikern
in den höchsten Tönen gelobt wurde. Nach den
Alben „Mercedes-Dance“ und „Wir Kinder vom
Bahnhof Soul“ und musikalischen Ausflügen zum
Soul und Funk erschien imApril 2014mit „Ham-
mer&Michel“ das vierteAlbumvon JanDelay. Die
vermeintlichen Widersprüche, die seine Karriere
begleiten, hat derMusiker nie erklärt, sondern sie
einfach in sichvereint™– so selbstverständlich, dass
sie sich irgendwann in Luœ aufgelöst haben. Hip-
Hop, Soul, Funk oder Rock? Jan Delay schaŸ den
Genrespagatwiekein anderer.
Fast genausowichtigwie gewieœeTexte ist Jan
Delay der Look. Kein anderer deutscher Künstler
legt so viel Wert auf sein Bühnenoutfit wie der
38-Jährige.™ „Die visuelle Ebene muss der Musik
noch ein Ausrufezeichen verleihen“, erklärt der
durchgestylte Künstler im Interview. Anzug und
Smoking lässt er sichexklusivvon„HerrvonEden“
schneidern. Der Hamburger Designer Bent Angelo
Jensen ist derMann, derhinterden coolenHerren-
anzügen steckt. Für die aktuelle Tournee von Jan
Delay entwarf er sämtlicheOutfits.
Mit LLOYD Time sprach Jan Delay über sein
neues Album „Hammer &Michel“, seine Vorbilder
unddenAu¨ruch in ein ganzneuesMusikgenre.
LLOYD: Was genau hat Sie an der Aufgabe gereizt, ein Rock-
album aufzunehmen?
Jan Delay: Einfach zu lernen und zu wachsen und
ein riesiges Brett zu erscha en. Alles andere, nochmal
so ein Albumwie „Mercedes-Dance“ oder „Wir Kinder
vom Bahnhof Soul“ aufzunehmen, wäre langweilig ge-
wesen. Bei den Aufnahmen fürs nächste Album stand
für mich im Vordergrund, was anderes, Neues zu ma-
chen, undeshat auch superSpaßgemacht,mitderBand
die neuen Songs zu spielen – wenngleich allen relativ
schnell klarwurde, dass das eine riesigeAufgabe für uns
werdenwürde.
Geht das überhaupt so einfach, zu sagen: Ich nehme jetzt ein
Rockalbum auf, obwohl ichmusikalisch aus einer völlig anderen
Ecke komme?
Ich stell mir das so vor, als wenn du zu einem
Fußballer gehst, zu Bastian Schweinsteiger, und sagst:
„Ab sofort ist Schluss mit Fußball beim FC Bayern
München, du spielst jetzt Basketball bei uns. Mach
mal.“Natürlich besitzt er gewisseVoraussetzungen, um
bessermit der verändertenSituationklarzukommen als
andereŒ– einfachweil er Profisportler ist. AmEnde hat
auch er aber noch sehr, sehr viel zu lernen.
Wer hat Ihnenbei Ihrer neuenAufgabe geholfen?
Für mich war Jörg Sander (Gitarrist bei Udo Lin-
denbergs Panikorchester; Anm. der Red.) ganzwichtig.
Der konntemir unglaublich viele Fragen beantworten,
er konnte mir helfen, Dinge von der To-do-Liste zu
streichen…Ohne ihn hätte ich noch viel länger als die
drei Jahre gebraucht, die das Album letztlich gedauert
hat. Ich hab mir jede Rock-Doku angeguckt, hab auf
Sachen geachtet, auf die du als Fan vielleicht nicht so
achtenwürdest: jedenAmp, jede Box, jede Gitarre. Ich
hab versucht, jede für mich auch nur im Ansatz rele-
vante Informationwie ein Schwamm aufzusaugen.
Wie viel kindlicher Entdecker- und Forscherdrang steckt in
„Hammer&Michel“, undwie viel ernst gemeinteAttitüde?
Das eine schließt das andere für mich nicht aus.
Sowohl denEntdeckerdrang als auch dieAttitüdewür-
de ich bei 100ŒProzent ansiedeln. Beide Punkte sind
sehr kongruent, haben eine große gemeinsame Schnitt-
menge.
Generell deckt der Sound eine große Bandbreite an verschie-
denen Stilen ab: Metal-Anleihen, Country-Rock, Tom-Morello-
Gitarren.
Das ist einfachmein Rockkosmos, der sich in den
Songs widergespiegelt, und dort gibt es nun mal sehr
viel Tom Morello. Es gibt aber auch die „Scorpions-
Ballade“, und es gibt Raphael Saadiq – so 60s-White-
Punk-/Black-Surf-Zeug. Geil. Das ist richtig schön fun-
ky-countryesk. Ich flash aber auch auf diese ganzen
k
INTERVIEW
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LLOYD TIME
NR 2/2014
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